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Grußwort des Metropoliten Serafim zur Konferenz in Forchheim, 23. Oktober 2020

Ich freue mich, dass wir am heutigen Nachmittag zusammengekommen sind um darüber nachzudenken, was es für uns bedeutet, mit einer Stimme zu sprechen. Vor zehn Jahren haben alle orthodoxen Bischöfe aus Deutschland am Sitz unserer Rumänischen Orthodoxen Metropolie in Nürnberg eine „Konferenz der Orthodoxen Bischöfe aus Deutschland“ ins Leben gerufen mit dem Ziel, die orthodoxe Einheit zu unterstreichen und zu wichtigen Fragen des religiösen und sozialen Lebens mit einer Stimme zu sprechen.

Diese „Orthodoxe Bischofskonferenz“ für Deutschland hat hervorragend funktioniert bis zum Jahr 2019, als es zu Schisma zwischen den Patriarchaten von Konstantinopel und Moskau kam, das das Leben der Orthodoxen Diaspora auf der ganzen Welt sehr schlimm getroffen hat. Die Probleme, die wir Orthodoxen haben, betreffen mehr das innerkirchliche Leben wie etwa die kanonische Organisation der Kirche auf lokaler und universaler Ebene und weniger die Beziehungen zu den anderen Christen oder zu der  Gesellschaft, in der wir leben und gegenüber der wir sehr offen sind.    

Die Frage, die wir uns heute stellen, ist die, wie einig wir sind, um auf die Probleme der heutigen Welt mit einer Stimme zu antworten. Wir alle tragen schwer an der immensen Last der Geschichte, die uns in verschiedene Konfessionen gespalten hat, jede mit ihrem eigenen Dogma und ihrem eigenen Ethos, die uns voneinander isoliert hat und uns in wahre Ghettos verwandelt hat. Erst die ökumenische Bewegung hat uns aus unserer Selbstgenügsamkeit und Selbstbezogenheit aufgeweckt und uns die schreckliche Sünde der Spaltung bewusst gemacht, die eine Sünde gegen den Heiligen Geist darstellt. Ein Pionier der Ökumene sagte einst, dass Gott uns nicht so sehr richten wird, weil wir die christliche Einheit nicht verwirklicht haben, die letztlich ein Werk des Heiligen Geistes ist, sondern weil wir uns gut eingerichtet haben und wohlgefühlt haben in der Spaltung und nicht alles getan haben, was in unserer Macht steht, um diese zu überwinden.    

Ich glaube, dass das Gebet eines jeden Einzelnen und das gemeinsame Gebet mit unseren Nächsten das Wichtigste ist für unsere gegenseitige Annäherung im Geist. Das mit Schmerz wegen der Spaltung im Herzen verrichtete Gebet eint uns im Geist und reißt jede Grenze nieder, die uns Menschen voneinander trennt. Auch wenn wir die konfessionellen Grenzen nicht auflösen können und stets der Kirche treu und gehorsam bleiben, in der wir getauft wurden, so fühlen wir uns doch nicht mehr getrennt, sondern vereint im selben Geist, der der Geist Christi ist. Heilige sind Christen, die durch die Gnade Gottes, aber auch durch ihr Gebet und ihre Askese dahin gelangt sind, sich selbst zu überwinden, die Sünde des Egoismus zu besiegen und universale Menschen geworden zu sein, also zu Menschen, die wie Christus die ganze Menschheit und den gesamten Kosmos in ihrem Herzen tragen, weil sie von nichts und niemand mehr getrennt sind. Und unsere Berufung ist genau die Berufung zur Heiligkeit: „Ihr sollt heilig sein, denn Ich bin heilig, der Herr, euer Gott.“ (Levitikus 19, 2) Das Streben nach Heiligkeit ist von Gott ins Herz des Menschen gepflanzt. Wir müssen nur auf die deutlich hörbare Stimme unseres Herzens hören, dann werden allmählich alle Barrieren, die uns trennen, sich auflösen.        

Gleichzeitig dürfen wir bei all unserer konfessionellen Trennung niemals vergessen, dass uns viel mehr eint als uns trennt. Und genau dies berechtigt uns, ja verpflichtet uns sogar, mit einer Stimme in allen Problemen von heute zu sprechen.

Dazu zählen unter anderem wie die weltweite Christenverfolgung in kommunistischen und islamischen Ländern, die weltweiten Konfliktherde mit aller Gewalt, die dort gegen Unschuldige ausgeübt wird, aber auch die weltweite Umweltzerstörung durch Raubbau am Wald und Verschmutzung der Meere, die die Lebensgrundlagen aller Menschen und damit die ganze Schöpfung Gottes gefährden, nicht nur das Leben derer, die dafür verantwortlich sind. Auch bei Fragen wie dem Schutz des Lebens und der Abtreibung und der ausufernden  Freigabe der Sterbehilfe weltweit ist die Stimme unserer Kirchen wichtig.

Unsere Kraft als Christen liegt im Gebet! Wir müssen noch viel mehr beten: jeder in seiner Gemeinde, aber auch wir alle gemeinsam. Bevor wir Orthodoxe, Katholiken oder Evangelische sind, sind wir Christen! Und die Kernbotschaft des Christentums ist die Liebe, sogar die Liebe zu den Feinden. Wir sind gerufen, jedermann gegenüber Liebe zu zeigen. Dem religiösen Relativismus unserer Zeit können wir nichts anderes entgegensetzen als das authentische Vorleben der Liebe in unseren Gemeinden und zwischen uns als Christen unterschiedlicher Konfessionen. Dann heißt es wie in der Zeit der Frühen Kirche: „Kommt und seht! Seht, wie sehr sie sich lieben“!

 

† Metropolit Serafim von Deutschland, Zentral- und Nordeuropa  

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