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Pastoralbrief zum Ostern 2018

  Das Kreuz und die Auferstehung des Volkes

† SERAFIM

 Von Gottes Gnaden Rumänischer Orthodoxer Erzbischof von Deutschland, Österreich und Luxemburg

und

Metropolit von Deutschland, Zentral- und Nordeuropa

 Wohlehrwürdige Väter und geliebte Gläubige,

 Christus ist auferstanden!

 Die Auferstehung des Herrn, die wir heute mit so großer Begeisterung und Freude in Lobgesängen und Siegeshymnen feiern, ist die Grundlage des christlichen Glaubens. Der Apostel Paulus schreibt den Gläubigen in Korinth: „Wenn Christus nicht auferstanden ist, dann ist unser Glaube vergeblich, dann seid ihr noch in euren Sünden.“ (1. Kor. 15, 17). Durch Seine Auferstehung besiegelt der Erlöser auf ewig die von ihm über einen Zeitraum von dreieinhalb Jahren verkündigte Wahrheit wie auch die von Ihm vollbrachten Wunder, die sonst in den folgenden Generationen gänzlich vergessen worden wären. Die Apostel des Herrn verwandelten sich von angsterfüllten Menschen, die sich aus Furcht vor den Juden versteckten, als ihr Lehrer und Meister gefangengenommen und gekreuzigt wurde, zu den mutigsten Menschen, als sie den Auferstandenen Jesus sahen, und sie brachen auf, um das Evangelium allen Völkern bis an die Grenzen des Erdballs zu verkündigen. Gestärkt von der Kraft des Heiligen Geistes, der an Pfingsten auf sie in Form von Feuerzungen herabgekommen ist, brachten sie ihr Leben Tag für Tag in Gefahr und wurden konfrontiert mit unzähligen Beschwernissen, um der Welt das Evangelium zu verkündigen – die Gute Nachricht von der Auferstehung des Herrn. 

Die Kreuzigung und der Kreuzestod des Erlösers Jesus Christus stellten nicht im Entferntesten eine Niederlage dar, wie es diejenigen erhofften, die Ihn ans Kreuz gebracht haben. Im Gegenteil: der Tod des Herrn am Kreuz aus unendlicher Liebe zu den Menschen wurde zu Seinem größten Sieg, denn Er blieb nicht im Grab wie ein einfacher Mensch, sondern ist als Gott auferstanden! Nach Seinem Tod ist er mit Seiner Seele hinabgestiegen in das Reich des Todes, um auch den Entschlafenen die Erlösung zu verkündigen; mit Seiner Auferstehung hat Er zugleich allen von Anbeginn der Welt bis dann im Glauben Verstorbenen die Auferstehung geschenkt. Die Ikone der Auferstehung des Herrn stellt Sein Hinabsteigen in das Reich des Todes und die Auferstehung Adams und seines ganzen Geschlechtes dar.

Geliebte Gläubige,

das Kreuz und die Auferstehung sind im Leben unseres Erlösers Jesus Christus wie auch in unserem eigenen Leben zwei voneinander untrennbare Wirklichkeiten. Im Kreuz verbirgt sich bereits die Auferstehung, und die Auferstehung folgt nach dem Kreuz. Durch das Kreuz verstehen wir nicht nur den Tod, sondern auch das Leiden und die Beschwernisse unseres Erlösers während seines irdischen Lebens, der auf Schritt und Tritt verfolgt wurde, dann gefangengenommen und gekreuzigt wurde. Und doch hat der Erlöser „als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, er drohte nicht, als er litt, und stellte es dem anheim, der gerecht richtet“ (1. Petr. 2, 23). Vor allem aber betete der Herr zu Seinem himmlischen Vater, dass Er Ihn in Seinen Versuchungen stärken möge. Bei Tage ging er von Stadt zu Stadt, lehrte die Menschen und heilte sie, nachts aber „entwich er in die Einöde und betete“ (Lukas 5,16). Weil Er Sich dem Vater anvertraute und zu Ihm betete, erhielt der Erlöser die Kraft, seine Mission fortzusetzen, derentwillen er in die Welt gesandt worden war. So verbarg sich im tagtäglichen Kreuz des Herrn auch die Kraft der Überwindung und der Auferstehung. Gewiss waren die Passion und der Kreuzestod für den Herrn die schwerste Prüfung und das größte Leiden, war Er doch nicht nur von den Menschen, sondern sogar von Gott verlassen: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Matthäus 27, 46). Und doch war Gott der Herr in diesen Momenten der Verzweiflung noch gegenwärtiger, Er tröstete Ihn, damit Er sanft und versöhnt sterben konnte. „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lukas 23, 34) und „Es ist vollbracht“ (Johannes 19, 30) waren die letzten Worte des Erlösers, bevor Er seinen Geist aufgab. Der Herr vergibt denen, die Ihn ans Kreuz gebracht haben, und stirbt in dem Bewusstsein, dass sich alles in Seinem Leben nach dem Plan und Willen Gottes des Vaters zugetragen hat.    

Geliebte Gläubige,

das irdische Leben unseres Erlösers Jesus Christus, Der in Seiner menschlichen Natur alle Menschen rekapituliert und vereint hat, ist für jeden Christen und jeden Menschen vorbildlich. Es gibt keinen Menschen auf der Welt, der in seinem ganzen Leben nicht Versuchungen, Leidenserfahrungen und Misserfolgen jeder Art ausgesetzt gewesen wäre. Diese gehören zu unserer menschlichen Bestimmung– der conditio humana –, die der Sünde unterworfen ist, und sind ein Teil des Kreuzes, das wir jeden Tag tragen müssen. Der Erlöser sagt: „Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge Mir nach“ (Lukas 9, 23). Gläubige Menschen geben sich darüber Rechenschaft, dass ihre Schmerzen und Leidenserfahrungen einen erlösenden Sinn haben und daher vertrauen sie ihr Leben Gott an und beten immerzu und in der Hoffnung, dass Gott ihnen ihre Sünden vergeben, sie im Leiden stärken und ihnen Mut und Geduld verleihen möge, bis sie diese mit Seiner Hilfe überwinden. So liegen im Kreuz unserer Leidenserfahrungen auch die Kraft der Auferstehung und damit der Sieg verborgen. So stärkt uns auch der Apostel Paulus mit den Worten: „Gott ist treu, der euch nicht versuchen lässt über eure Kraft, sondern macht, dass die Versuchung so ein Ende nimmt, dass ihr’s ertragen könnt.“ (1. Korinther 10, 13) Diese vom Heiligen Geist inspirierten Worte sagen uns zu, dass Gott unsere Leiden kennt und uns nahe ist, wenn wir Ihn von Herzen um Hilfe anrufen. Wenn wir die Prüfungen und Leidenserfahrungen unseres Lebens mit den Augen unseres Glaubens betrachten, dann werden wir uns darüber klar, dass sie ein wahrer Segen sind, denn im Unglück und im Leid beten wir mit umso mehr Demut und mit Tränen der Reue in den Augen und spüren den Beistand Gottes. Der heilige Antonius der Große sagt: „Das große Werk des Menschen ist es, seine Sünden auf Gott zu werfen und bis zum letzten Atemzug mit Versuchungen zu rechnen.“ Trotzdem müssen wir aufmerksam darauf achten, dass wir nicht selbst dadurch Versuchungen und Unglück herbeirufen, dass wir gedankenlos in Sünden leben, dass wir über das normale Maß hinaus arbeiten oder beim Essen und Trinken maßlos übertreiben, dass wir unzufrieden sind mit dem, was wir haben, oder zu leicht in Wut geraten und die Gesetze der Natur oder die Gebote Gottes nicht respektieren. Ein weises Wort besagt: „Gott vergibt immer, der Mensch vergibt manchmal, die Natur jedoch vergibt nie.“ Wenn wir also die Gesetze, die die menschliche Natur, die Seele und den Leib bestimmen, respektieren, werden wir uns auch seelischer und leiblicher Gesundheit erfreuen.

Geliebte Gläubige,

so wie im Leben eines jeden Menschen das Kreuz und die Auferstehung alltägliche Wirklichkeiten sind, so sind auch im Leben der Völker Kreuz und Auferstehung in deren Geschichte allgegenwärtig. Wie viele andere Völker hatte auch das rumänische Volk eine schmerzhafte Geschichte und hatte ein schweres Kreuz zu tragen, das es jedoch mit starkem Glauben und Hoffnung in seine Überwindung auf sich nahm. So hat Gott der Herr unser Dasein und unsere Einheit in Sprache und Glauben gerettet. Heute bedrückt unser Volk das schwerste Kreuz in seiner Geschichte, der Verlust jener Millionen von Rumänen, die unser Land verlassen haben. Leider hört der Exodus der Rumänen ins Ausland nicht auf, sondern nimmt dagegen noch von Jahr zu Jahr zu. Natürlich kann jeder die Schuld einem anderen geben, in erster Linie der politischen Führung. Doch haben nicht nur die Führer Schuld, sondern jeder von uns, der zu vorschnell das Land verlassen hat auf der Suche nach einem besseren Leben oder einem leichteren Kreuz. Doch häufig treffen wir bei der Suche nach einem leichteren Kreuz auf ein noch schwereres Kreuz. Auf der Suche nach einem in materieller Hinsicht besseren Leben fern der Heimat sind wir oft mit größeren seelischen Schmerzen konfrontiert als wir sie im Heimatland ertragen mussten. Hier kommt die unverzichtbare Rolle der Kirche ins Spiel, die allein unsere seelischen und körperlichen Leiden durch ihr Gebet lindern kann. Wenn wir bewusst in unseren Pfarreien am kirchlichen Leben teilnehmen, mit Frömmigkeit an jedem Sonntag an der Heiligen und Göttlichen Liturgie teilnehmen, wenn wir häufig beichten und die heilige Eucharistie empfangen, wenn wir viel beten und uns von Sünden fernhalten, dann wird Gott unser Leben segnen und uns ein gutes und gegenüber dem Leid des Volkes und der Menschen überhaupt mitleidsvolles Herz schenken.

So kann jeder von uns, so gering und unbedeutend auch sein mögen, zur Wiedergeburt unseres Volkes und seiner Wiederauferstehung beitragen. Zuallererst durch unser demütiges wie beharrliches Gebet. Täglich sollen wir zu Gott beten für unser Volk, für seine Führer und für alle, die auf welche Weise auch immer leiden. Darüber hinaus soll jeder von uns sich nach seinen Möglichkeiten bemühen, denen zu Hause zu helfen, so oft es geht die Heimat zu besuchen und auch andere zu animieren, Rumänien zu besuchen. Auch sollen wir versuchen, geeinter zu sein und Berufsvereinigungen zu gründen, die unserem Land effektiv nützlich sein können. Vor allem aber sollen wir unseren Kindern die Liebe zur Kirche und zum Land der Väter und Großeltern wie auch zur rumänischen Sprache vermitteln.        

Was unsere Organisation hier in der Diaspora betrifft, so freuen wir uns darüber, dass es uns im abgelaufenen Jahr mit der Hilfe Gottes gelungen ist, mehrere neue Pfarreien zu gründen. Auch konnten die Pfarreien in Traunreut und Bonn die Arbeiten zum Bau ihrer Kirchen abschließen. Die Pfarrei Heilbronn hat eine Kirche gekauft, und die Pfarrei Chemnitz konnte ein Zentrum mit einer schönen Kapelle erwerben. Besonders freuen wir uns, dass die Arbeiten am Kloster in München begonnen haben. Dies ist ein großes Werk von besonderer Bedeutung für alle Rumänen aus unserer Metropolie, die unser alle Opfer verlangt. So lege ich Euch allen ans Herz, Stifter dieses Klosterzentrums und Klosters in München zu werden.   

Ich erbitte den Segen Gottes über alle unsere Gläubigen: Eltern und Kinder, Junge und Alte, ich umarme euch in Christus dem Herrn, dem Auferstandenen, und rufe Euch noch einmal den österlichen Gruß zu: „Christus ist auferstanden!“, außerdem den Wunsch „Gesegnete Feiertage!“ Mögt Ihr all gesund sein und von Freude erfüllt über das Große Hochfest der Auferstehung des Herrn!

Euer Euch immerzu Gutes Wünschender und zum Herrn Betender

  † Serafim

 Erzbischof und Metropolit

 

(Übersetzung: Pfarrer Dr. Jürgen Henkel, Selb-Erkersreuth)

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