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„Fürchtet euch nicht... Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr” (Lukas 2, 10-11) „Wachet und betet, damit ihr nicht in Anfechtung fallt!” (Matthäus 26, 41)

 Wohlehrwürdige Väter und geliebte Gläubige,

 Diese Worte „Fürchtet euch nicht!”, die der Engel des Herrn an die Hirten in Bethlehem richtet, sowie die Mahnung des Heilands: Wachet und betet!” erklingen auch heute in unseren Herzen, wenn wir die Geburt des Herrn feiern in einer Zeit, in der so große Versuchungen über die ganze Welt gekommen sind. Wohl keiner von uns hat solche Zeiten bisher erlebt, wo wir scheinbar auf Schritt und Tritt vom Tode bedroht sind. So brauchen wir nun mehr denn je das Gebet, Hilfe und Ermutigung. Dabei sind wir uns dessen bewusst, dass uns niemand im Kampf mit dieser Krankheit und den Leidenserfahrungen unseres Lebens wirklich trösten kann als Gott allein, Der unablässig im Herzen eines jeden Menschen wirkt, es aber auch durch die Menschen tut, denen Er Mitgefühl für ihre Nächsten ins Herz pflanzt.

 Das Herz ist die Wohnstätte Gottes. Aus der Heiligen Schrift wissen wir, dass „Gott Geist ist”  (Johannes 4, 24) und dass Er allgegenwärtig ist: im Himmel und auf Erden und in Seiner ganzen Schöpfung, besonders aber im Herzen des Menschen. Daher verlangt Gott auch unser Herz: „Gib mir, mein Sohn, dein Herz”  (Sprüche 23, 26). Im Herzen eines jeden  Menschen verbirgt sich Gott auf geheimnisvolle und mystische Weise, denn im Herzen konzentrieren sich unser ganzes Wesen, die ganze Menschheit und der ganze Kosmos. Das Herz ist die bevorzugte Wohnstätte Gottes, der heiligste Ort auf der Welt, der Ort der Begegnung des Menschen mit Gott. Trotzdem verspürt nicht jeder die Gegenwart Gottes im Herzen, sondern nur die wirklich Gläubigen, die sich eifrig darum bemühen, durch das Gebet in ihr eigenes Herz vorzudringen. Nachdem Gott die Liebe ist, respektiert Er die Freiheit des Menschen und zwingt sich auf keinerlei Weise auf, sondern Er wartet darauf, dass wir Ihm aus freien Stücken begegnen – im Herzen. „Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an”, sagt der Heiland (Offenbarung 3, 20). Gott der Herr klopft an die Pforte unseres Herzens, aber nicht von außen, sondern von innen, und das nicht mit lärmenden Schlägen, sondern mit feinen und kaum wahrnehmbaren Schlägen, gerade deswegen, weil Er uns nicht zwingen will, Ihm zu öffnen. Doch die Pforten unserer Herzen sind häufig verschlossen aus Gleichgültigkeit oder einem Mangel an Sensibilität. Wir sind zu sehr beschäftigt mit den Angelegenheiten dieser Welt und vergessen Gott darüber, wir vergessen unser Herz und verschwenden unsere Aufmerksamkeit auf äußere Dinge. Oder wir sind zu stolz und können nicht demütig genug sein, um in die Tiefe unseres Herzens vorzudringen, um dort Christus zu begegnen, Der von sich sagt: „Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig” (Matthäus 11, 29). Ein stolzer Mensch wird Christus niemals in seinem Herzen begegnen, auch wenn es ihm so erscheint, als sei er gläubig.

Wenn wir aber unablässig und Tag für Tag beten mit im Herzen konzentriertem Verstand, dann werden die Pforten unseres Herzens aus Stein allmählich weichen, und Christus wird unser Herz und unser ganzes Wesen mit Seiner Gnade erfüllen. Und so werden alle unsere inneren Kräfte – die seelischen wie die körperlichen – erneuert und gestärkt werden, wie der Psalmist schreibt: „Dem Adler gleich erneuert sich deine Jugend.”  (Ps. 103, 5) Es ist wirklich so: Wer viel betet, der spürt, wie seine inneren Kräfte sich erneuern, der fühlt, wie er sich verjüngt! Gleichzeitig erleichtert Christus der Herr unser Gewissen und verleiht uns die Kraft, allmählich die Sünde zu überwinden, wenn wir voller Demut und Schmerz über unsere Sünden beten.

Wir dürfen sicher sein, dass das Gebet das wichtigste Heilmittel für alle unsere seelischen und körperlichen Leiden ist, wie auch für alle unsere Leidenserfahrungen und Prüfungen im Leben. Wenn wir beten, vertreibt Christus aus unserem Herzen alle Ängste: die Angst vor Krankheit, die Angst vor Feinden, die Angst vor Misserfolg im Leben, die Angst vor dem morgigen Tag, die Angst vor dem Tod... Durch das Gebet gibt uns Christus die Kraft, über alle Prüfungen des Lebens hinwegzukommen; Er befreit uns von der Depression und schenkt uns ein positives Denken in allen Dingen, Er schenkt uns Hoffnung und Mut, damit wir vor nichts und niemand Angst empfinden, liegt doch unser Leben in Seiner Hand. „Alles ist Gnade” – das heißt: wirklich alles bis hin zu den letzten Kleinigkeiten unseres alltäglichen Lebens, Stunde für Stunde, geschieht nach dem Willen Gottes. „Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Haupt alle gezählt“, sagt der Herr zu uns (Matthäus 10, 30). So ist alles, was uns im Leben widerfährt, sowohl alles Gute, wie auch alles, was uns als böse erscheint, zu unserem Besten, wie schon der heilige Apostel Paulus schreibt: „Denen, die Gott lieben, dienen alle Dinge zum Besten.“ (Römer 8, 28) Und das Zeichen, dass wir Gott lieben, ist gerade das Gebet. Wenn wir wenig beten, lieben wir Gott wenig; wenn wir viel beten, lieben Ihn sehr. Daher ermutigt uns auch der Heiland, zu wachen und zu beten (vgl. Matthäus 26, 41). Und der heilige Apostel Paulus ruft uns zu: „Seid beharrlich im Gebet!“  (Kolosser 4, 2) und „Betet ohne Unterlass!“ (1. Thess. 5, 17).

Gleichzeitig wirkt Gott auch durch Menschen. Wenn Er uns helfen will, weil wir Ihn lieben und zu Ihm beten, dann gibt er Menschen den Impuls ins Herz, dass sie uns auf verschiedene Weise zu Hilfe kommen. Wir dürfen glauben, dass Gott uns, wenn wir krank sind, den besten Arzt und die geeignetsten Medikamente schenkt. Und wenn wir arm sind, wird Er uns gute Menschen senden, damit diese uns helfen. Wenn wir traurig und deprimiert sind, wird Er uns durch einen Nächsten ermutigen. 

Geliebte Gläubige, 

die Heilige Synode unserer Kirche hat das Jahr 2021 zum „Gedenkjahr der Pastoral für die Rumänen außerhalb der Grenzen Rumäniens” und zum „Gedenkjahr für die Verstorbenen” erklärt. Als Menschen, die im Ausland fern der Heimat leben, wissen wir, wie schwer unser kirchliches Leben unter den Bedingungen der Diaspora und der Zerstreuung ist, haben wir doch nicht genügend Pfarreien und vor allem zu wenig eigene Kirchen, um darin zu beten. Viele Gläubige haben große Entfernungen zu überwinden bis zur nächstgelegenen Pfarrei. Und die Priester müssen einem Beruf nachgehen, um ihre Familien ernähren zu können. Trotz alledem tun wir als Diener Christi alles, was in unserer Macht steht, um die Seele jedes Gläubigen zu erreichen, der sich an uns wendet. Und wir freuen uns über alle, die uns um Fürbitte, Rat und Hilfe bitten.

Um vor allem unter den aktuellen Bedingungen der Pandemie möglichst umfassend mit unseren Gläubigen in Verbindung zu bleiben, nutzen auch wir mit Überlegung die modernen technischen Kommunikationsmittel: Telefon und Internet. Denn das Spezifikum der Pastoral in der Diaspora besteht vor allem in der persönlichen Verbindung zu den Gläubigen. Wir versuchen im Rahmen unserer Möglichkeiten zu unseren Gläubigen zu gehen, um sie zu Christus zu führen, nicht nur, damit sie zur Kirche kommen. Das Sakrament der Beichte bleibt indes die wichtigste Verbindung zu den Gläubigen. In diesem Heiligen Sakrament öffnen wir alle unser Herz vor Gott und vor dem Geistlichen. Sie schafft die engste Verbindung zwischen dem Gläubigen und dem Priester. Wir dürfen dessen sicher sein, dass wir nur durch die häufige Beichte und die Kommunion an Leib und Blut Christi unser Leben ändern können. So sollen wir auch den Mut haben, so oft als möglich zu beichten, nicht nur zu den vier großen Fastentagen, sondern sogar monatlich.   

Über allem mögen wir auch unsere in die Ewigkeit heimgegangenen Lieben nicht vergessen, sondern wir sollen ihrer immer wieder im Gottesdienst gedenken und um ihretwillen Werke der Barmherzigkeit an Armen tun. Und auch wenn wir jetzt, in Zeiten der Pandemie, daran gehindert sind, zu den Heiligen Feiertagen ins Heimatland zu fahren, so wie viele uns das gerne getan hätten, dann sollen wir trotzdem nicht zögern, nach Hause zu fahren, sobald diese schwierige Phase nach dem Willen Gottes endet. Wir sollten so oft es geht unsere Eltern und Verwandten im Heimatland besuchen, wie auch die Friedhöfe, wo unsere Ahnen im Acker ruhen.      

Ich lege Euch diese geistlichen Ratschläge ans Herz, wünsche Euch allen, dass Ihr diese Heiligen Feiertage der Geburt des Herrn im Frieden und voller Freude begehen könnt und ich rufe den Segen des in der Höhle von Bethlehem geborenen Jesuskindes  auf Euch und Eure Familien herab.

Gesegnete Feiertage! und

Auf viele Jahre!

Euer Euch allezeit Gutes wünschender und zum Herrn betender 

† Metropolit Serafim   

(Übersetzung: Pfarrer Dr. Jürgen Henkel, Selb-Erkersreuth) 

 

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